In der Schweiz ist das Handwerk seit jeher ein zentraler Wirtschaftsfaktor – doch die traditionellen Lernwege stehen vor Herausforderungen. Hier setzt das Projekt Lanista an: ein innovatives Netzwerk, das durch digitale Tools und praxisnahe Konzepte die Ausbildung von Lehrlingen und Meisterschülern nachhaltig verbessert. Mit über 100 Partnern aus Bildungseinrichtungen, Betrieben und Verbänden zeigt Lanista, wie digitale Bildung den Fachkräftemangel in der Schweiz gezielt angeht. Die Plattform kombiniert E-Learning mit realen Projekten, sodass junge Menschen direkt in die Praxis einsteigen können – ein Modell, das sich bereits in mehreren Regionen bewährt hat.
Ein Netzwerk mit klarem Fokus auf die Zukunft des Handwerks
Lanista entstand als Reaktion auf die wachsende Kluft zwischen der Nachfrage nach qualifizierten Handwerker:innen und dem Angebot an passenden Ausbildungsplätzen. Während die Schweiz jährlich rund 30 000 Lehrstellen sucht, fehlen laut Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) jährlich etwa 15 000 qualifizierte Fachkräfte. Hier setzt Lanista an: Durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie der seite besuchen oder der Bauwirtschaft wird die Ausbildung direkt in die Praxis integriert. So lernen Auszubildende nicht nur theoretische Inhalte, sondern arbeiten an realen Projekten – sei es die Installation von Solaranlagen oder die Planung von Gebäudesystemen. Das Ergebnis: höhere Qualifikationen und eine stärkere Bindung der Jugendlichen an den Beruf.
Ein weiterer Innovationsfaktor ist die Nutzung digitaler Tools, die traditionelle Lehrpläne ergänzen. Durch interaktive Lernmodule, virtuelle Laborumgebungen und digitale Portfolio-Systeme wird der Lernprozess flexibler und an die Bedürfnisse der jungen Generation angepasst. Studien zeigen, dass Auszubildende, die solche Methoden nutzen, im Durchschnitt 20 % schneller in der Lage sind, praktische Fähigkeiten zu erwerben – ein Effekt, der sich auch in der späteren Berufsausübung niederschlägt. Besonders in Branchen wie der Elektrotechnik oder der Sanitärinstallation, wo Präzision und schnelles Lernen entscheidend sind, hat Lanista bereits messbare Fortschritte erzielt.
Regionale Erfolge: Von der Ostschweiz bis zum Tessin
Seit seiner Gründung 2018 hat sich Lanista in mehreren Regionen der Schweiz etabliert. In der Ostschweiz arbeitet das Netzwerk eng mit der Handwerkskammer St. Gallen zusammen und hat dort die Anzahl der abgeschlossenen Lehrgänge um über 15 % steigern können. Auch in der Deutschschweiz, etwa in der Region Zürich, hat Lanista Pilotprojekte gestartet, bei denen Auszubildende in Kooperation mit Unternehmen wie der Schweizerischen Metall- und Elektroindustrie (SME) ihre Fähigkeiten in der Robotik und Automatisierung vertiefen. In der Romandie setzt sich Lanista für eine moderne Ausbildung in der Holz- und Möbelbranche ein, wo digitale Planungstools die Effizienz in der Produktion deutlich verbessern.
Ein besonders aufsehenerregendes Projekt ist die Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Hier werden Auszubildende in einem sogenannten „Dualen Studium“ gefördert, bei dem sie parallel zur Berufsausbildung ein Hochschulstudium absolvieren. Das Modell hat sich als erfolgreich erwiesen: Von den 200 Teilnehmenden in den ersten beiden Jahren haben bereits 60 eine Hochschulzulassung erhalten, und weitere 40 planen, nach der Lehre ein Studium aufzunehmen. Solche Kooperationen zeigen, wie Lanista die Grenzen zwischen Berufsbildung und akademischer Ausbildung verwischt – ein Ansatz, der besonders für junge Menschen mit Interesse an technischen und ingenieurwissenschaftlichen Berufen relevant ist.
Herausforderungen und die Zukunft des Projekts
Trotz dieser Erfolge gibt es auch Herausforderungen. Die digitale Transformation der Ausbildung erfordert nicht nur technische Infrastruktur, sondern auch eine kulturelle Veränderung in den Betrieben. Viele Handwerksunternehmen stehen noch vor der Frage, wie sie digitale Tools in den Alltag integrieren können – ohne dabei die persönliche Betreuung der Auszubildenden zu verlieren. Hier setzt Lanista auf Schulungen und Mentoring-Programme, bei denen erfahrene Meister:innen und Fachkräfte als Ansprechpartner für die Unternehmen dienen. Zudem ist die Finanzierung ein zentrales Thema: Während einige Partner wie die SME bereits in die Plattform investieren, hinken andere noch hinterher, besonders in ländlichen Regionen.
Die nächsten Schritte von Lanista zielen darauf ab, diese Lücken zu schließen. Durch die Ausweitung des Netzwerks in weitere Kantone und die Einführung von Förderprogrammen für kleine und mittlere Unternehmen will Lanista die digitale Ausbildung noch zugänglicher machen. Ein weiterer Fokus liegt auf der internationalen Zusammenarbeit: Durch Partnerschaften mit europäischen Bildungssystemen, etwa mit dem niederländischen „Dualen Bildungssystem“, möchte Lanista Best Practices austauschen und so die Ausbildung in der Schweiz weiter voranbringen. Gleichzeitig arbeitet das Projekt an einer digitalen Plattform, die nicht nur Lerninhalte, sondern auch Netzwerkmöglichkeiten für Auszubildende und Betriebe bietet – eine Lösung, die sowohl die Berufsausbildung als auch die berufliche Entwicklung in der Schweiz nachhaltig stärken soll.
- Lanista hat seit 2018 über 100 Partner in Bildung, Wirtschaft und Verbänden zusammengezogen.
- Die Ausbildung in Kooperation mit der SME führte zu einer Steigerung der Qualifikationsrate um 20 %.
- In der Ostschweiz stieg die Anzahl abgeschlossener Lehrgänge durch Lanista-Projekte um über 15 %.
- Von den 200 Teilnehmenden im Dualen Studium an der ETH haben bereits 100 eine Hochschulzulassung erhalten.
- Lanista plant bis 2025 die Einführung einer zentralen digitalen Plattform für alle Auszubildenden und Betriebe.
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